Historische Verbindungen
Verflechtungen von Kirche und Hanse
Der Kaufmannsverbund
Unter der Hanse versteht man zunächst einen Zusammenschluss von Kaufläuten, die gemeinsam die Sicherheit ihrer Handelsreisen und Interessen wahren wollten. Im Laufe des Mittelalters entwickelt sich die Kaufmanns- zur Städtehanse: Niederdeutsche Städte schlossen sich zusammen, um die Interessen ihrer Kaufleute zu vertreten. Zur Abstimmung der gemeinsamen Politik trafen sich Gesandte der Städte zu sogenannten „Tagfahrten“ oder „Hansetagen“. Die erste Tagfahrt fand 1412 in Lüneburg statt.
Kennzeichnend für die Hansestädte waren ihr Reichtum und ihre große Macht. So war Lüneburg zwar nie freie Reichsstadt, verfügte aber im 15. und 16. Jahrhundert über rechtliche Privilegien, die weit über das sonst übliche Maß hinausging. So hatte der Kaiser der Stadt das Recht zugestanden, eigene Steuern und Zölle zu erheben. Auch im Bereich der Kirche sicherte sich der mächtige Rat von Lüneburg besondere Rechte: Schon vor der Reformation hatten er sich Mitspracherechte bei der Besetzung von Pfarrstellen gesichert.
Hanse und Reformation
Eine direkte Verbindung zwischen Hanse und Kirche gab es nicht – jedoch vielfältige Verflechtungen. So waren die bedeutenden Kirchbauten der Hansestädte auch immer ein Ausdruck des Reichtums und der Macht der Stadt, in der sie standen. Zugleich liegen die späte Blüte der Hansezeit im ausgehenden 15. Jh. und die Reformation in der ersten Hälfe des 16. Jh. einander zeitlich nah. Zwar war die Hochzeit der Hanse zur Zeit der Reformation schon vorüber, jedoch haben die reformatorischen Umwälzugen im Kirchen- und Sozialwesen sowie in der alltäglichen Frömmigkeitspraxis auch maßgeblich die Gesellschaft einer hansisch geprägten Stadt wie Lüneburg verändert.
Träger der Reformation waren die auf Mitsprache und Rechte drängenden aufstrebenden Kreise in der Gesellschaft. Das selbstbewusste Bürgertum war zugleich Hauptstütze der Hanse. Lüneburg zeigt exemplarisch, wie sich die reformatorische Botschaft in der Bürgerschaft gegen den Rat durchsetzten konnte. „Gerade die enge Verbindung zu anderen Hansestädten machte es unmöglich, Lüneburg im Innern gegen die reformatorischen Einflüsse von außen zu abzuschirmen“ (B. Lohse, Die Reformation in Lüneburg).
Besonders eng sind die Verknüpfungen in der Neuordnung des Sozialwesens, das im Mittelalter v.a. durch Stiftungen, und Benefizien im kirchlichen Bereich geordnet waren. Diese wurden durch die von Stefan Kempe vorbereitete Kirchenordnung durch sogenannte „Armenkisten“ ersetzt. Diese wurde in Lüneburg nun nicht nur von Kirchenvorstehern verwaltet, sondern auch von Ratsherren und Bürgern.
Vorlagen der Kostüme nach Altarbilder von St. Johannis
Bilder vom Altar von St. Johannis Lüneburg aus der Zeit nach 1480 lieferten die Vorlagen der Kostüme, die in der Volkshochschule geschneidert wurden und jetzt vorgeführt wurden. Szenen aus den Legenden der Heiligen Cäcilia, von Johannes dem Täufer, Georg und Ursula bilden die vier Tafeln
auf dem Schnitzaltar ab. „Es ist bewundernswert, wie detailgenau die Kleidung vom Adel bis zum einfachen Volk dargestellt ist“, sagt die Kostümhistorikerin
Rotraut Kahle. Lesen Sie hier mehr...

